Videokonferenz zum Thema Sicherheit im öffentlichen Raum mit Vertretern der Polizei: Hartmut Scherer, Leiter der Polizeidirektion Süd, Michaela Schmelzer, Leiterin des Stabsbereiches Prävention sowie Tobias Büching, Kriminalhauptkommissar. 

„An diesem Ort fühle ich mich unwohl….abends meide ich diese Straße….an der Bushaltestelle stehe ich morgens immer alleine und fühle mich unsicher….“ Beispiele von Aussagen von Frauen aus ihrem Alltagsleben.
 
Mädchen und Frauen fühlen sich einer digitalen Umfrage zufolge in den Großstädten Berlin, Hamburg, Köln und München nicht immer sicher. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Kinderhilfswerk Plan international vorgestellt hat. Insgesamt haben knapp 1000 Mädchen und Frauen im Alter von 16 bis 71 Jahren von Januar bis März 2020 an der Umfrage teilgenommen. 
 
Bereits in 2004 beschäftigt sich eine Studie des Instituts für Soziologie und Frauenforschungszentrum in Darmstadt mit dem Sicherheitsempfinden von Frauen in Darmstadt. Hierbei musste festgestellt werden, dass zwei von drei Frauen sich nicht sicher fühlen.  Die stärksten Ängste lassen sich in der Nacht im öffentlichen Raum messen; hier konnten zahlreiche Orte in Darmstadt benannt werden, die Angst auslösend wirken.
 
Wie ist die Situation auf dem Land? 
 
Um eine Einordnung zu erzielen, traf sich die Frauen Union Darmstadt- Dieburg in einer Videokonferenz mit Scherer, Schmelzer und Büching.
 
Verstärkt durch die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln wird das Thema Belästigung von Frauen im öffentlichen Raum medial, ins besonders durch die sozialen Medien immer präsenter. Demgegenüber sank nach Angaben von Scherer die Zahl der Straftaten von 193 im Jahr 2019 auf 178 in 2020 im Landkreis Darmstadt-Dieburg bei gleichbleibender Zahl der Körperverletzungen von 62 Straftaten, jeweils bezogen auf 100.000 Einwohner.
 
Zu unserer Frage, an welchen Orten die Straftaten am häufigsten begangen werden, berichtete die Polizei, dass dies interessanterweise meist dort geschehe, wo sich viele Personen aufhalten, d.h. meist unter dem Schutz der anonymen Menge.
 
Ein Unwohlsein an öffentlichen Plätzen, ein mulmiges Gefühl abends allein in der Straßenbahn, die Angst, die in dunklen Straßen aufkommt, verbale Angriffe, sexuelles „Angehen“ sind nicht beweisbar und stellen keine Straftat dar und erscheinen damit nicht in der Statistik. 
 
Außer der Erfassung von Stimmungsbildern sei dies schwierig zu bewerkstelligen, da Straftaten an öffentlichen Plätzen nur im Deliktsfall geahndet werden können. Ein Plan oder die Absicht sind dagegen nicht strafbar.
 
Gefahrenabwehr - Präventionsarbeit ein wichtiger Baustein
Kompass – ein Programm des Landes Hessen
 
Im Jahr 2017 wurde das Programm Kompass von der Landesregierung in Hessen aufgelegt– Kompass steht für KOMmunlaProgrAmmSicherheitsSiegel. 
 
Dies ist ein Angebot an die Städte und Gemeinden in Hessen und zielt auf eine nachhaltig ausgerichtete Verzahnung und noch engere Zusammenarbeit zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Kommune und Polizei ab.
 
Straftaten im öffentlichen Bereich sind der Polizei anzuzeigen. Neben der Strafverfolgung ist es auch die Aufgabe der Polizei, Hilfsangebote für die Opfer zu benennen (Opferschutz, Weißer Ring…). 
                             
Was leistet Kompass? 
 
Es gilt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und den Kommunen sowie der Polizei, die spezifischen kommunalen Sicherheitsbedürfnisse, also auch die Sorgen und Ängste der Bevölkerung zu erheben, zu analysieren und gemeinsam ein passgenaues Lösungsangebot zu entwickeln.
 
Dies kann bedeuten, einen Platz besser zu beleuchten, eine Bahnhofshalle mit Kameras auszustatten, verstärkt gut beleuchtete Frauenparkplätze anzubieten und dass der Ordnungspolizist diese Plätze in seinen Routinefahrten durch die Gemeinden mit aufnimmt.
 
Ein Bestandteil dieses Kompass- Präventionsprogramm ist das Projekt „Gewalt-Sehen-Helfen“ (GSH) mit dem Ziel, die Zivilcourage zu stärken und selbstbewusster in „Krisensituationen“ aufzutreten.
 
Hier werden wichtige Verhaltensweisen trainiert: 
Kompetenzen, die man erwerben kann (z.B. Nein-Sagen, Wehren, Selbstverteidigung),
Wie helfe ich anderen in dieser Situation z. B. Unterstützung durch persönliche und direkte Ansprache der Personen, wenn man „ungute“ Situationen beobachtet,
Mit Lärm Angreifer verunsichern oder sogar vertreiben
Personenbeschreibung merken und an die Polizei direkt weitergeben
 
In unserer Videokonferenz wurde klar, dass dieses Programm der Öffentlichkeit kaum bekannt ist und das Ziel muss sein, dass die Kommunen für dieses Programm GSH vor Ort werben.
 
Ziele und Forderungen der FU Darmstadt-Dieburg
 
Mit dem Kompass Programm ist eine gute Basis geschaffen, die Sicherheit der Bürger zu erhöhen.
 
Es gilt, dieses Programm unter den Frauen bekannt zu machen.

Wünschenswert wäre eine gleich gestaltete Plattform auf den homepage der Gemeinden mit der Information, an welcher Stelle man „gefährliche Orte“ in der Gemeinde melden kann.
 
Oft helfen „kleine Maßnahmen“, um einen Ort sicherer zu gestalten:
Straßenlaternen aufstellen 
Haltestellen sollten so angelegt sein, dass sie von umliegenden Häusern einsehbar sind 
für Unterführungen sollte es ein gutes Lichtkonzept geben
in Parkhäusern gut erkennbare Fluchtwege
 
Gleichzeitig gilt es öffentlich für das Programm Gewalt-Sehen-Helfen (GSH) zu werben.
 
Ein weiteres Ziel sollte in Zukunft sein, bei städtebaulichen Planungen vorab eine Strategie zu wählen, dass „gefährliche Orte“ erst gar nicht entstehen. 
 
Unsere Städte wurden fast ausschließlich von Männern geplant und gebaut. Umso wichtiger ist es nun, Mädchen und Frauen systematisch bei der Planung von großen Bauprojekten und bei der Quartiersgestaltung einzubeziehen.
 
Macht mit! Meldet die „gefährlichen“ Orte! 
Lasst unsere Gemeinden sicherer werden!

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